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Geld & Energie
10.04.2022

Aktienmärkte auf Trendsuche

Laut Christopher Chandiramani zeigt sich die Wirtschaft momentan überdurchschnittlich robust: Gewinne und Dividenden sprudeln.
Laut Christopher Chandiramani zeigt sich die Wirtschaft momentan überdurchschnittlich robust: Gewinne und Dividenden sprudeln. Bild: Linth24
Die Börsen-Situation ist unverändert: Ukraine-Krieg belastet, Teuerungs- und Zinsängste dominieren. Aber die Wirtschaft läuft gut. Märkte sind auf Trendsuche. Der Wochenschluss war versöhnlich: SMI bei 12'500 Punkten.

Die Zahl der Arbeitslosen in den USA betrug im Februar 2022 saisonbereinigt 5.95 Mio. Somit hat sich die Anzahl im März 2022 gegenüber dem Vormonat um rund 320'000 Personen reduziert. Höchststand war im April 2020 (23.1 Mio.). In der Schweiz waren Ende März 2022 109'500 Arbeitslose bei RAVs gemeldet, 8'470 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank von 2.5 Prozent im Februar 2022 auf 2.4 Prozent im März. Gegenüber dem Vorjahresmonat (Jahr 2020) verringerte sich die Arbeitslosigkeit um 48'468 Personen.

Die Wirtschaft hat sich somit nach dem Corona-Schock stark erholt und zeigt sich momentan aussergewöhnlich robust. Somit ist auch das Inflationsrisiko gewachsen. Die Aktienbörsen haben im Moment an Schwung verloren, die Technologiewerte korrigierten. Der Ukraine-Krieg belastet

Rohstoffpreise schwanken stark, die Währungen bleiben in engen Bandbreiten mit Ausnahme des Rubels, der sich zwischenzeitlich künstlich erholt hat.

Unternehmensnachrichten

Ähnlich dem Trend in den USA und in Fernost waren Technologiewerte und Zykliker schwächer, Indexschwergewichte lagen besser im Markt, bei uns vor allem die Basler Pharmatitel wie Roche und Novartis. Letztere profitierte von einer Zulassung neuer Krebsmedikamente.

An einem Investorentag präsentierte Swiss Re die Langfristziele. Der Krieg dürfte den Versicherungen Kosten wie eine mittlere Naturkatastrophe verursachen. Swiss Re will die Eigenkapitalverzinsung auf 14 Prozent steigern und die Dividende soll im Einklang mit dem Gewinn überdurchschnittlich hoch bleiben.

Die Jungfraubahn-Gruppe hat im zweiten Corona-Jahr weniger Verluste eingefahren. Es fehlen zurzeit weiterhin die ausländischen Gäste. Der Betriebsertrag lag 2021 mit CHF 130.8 Mio. zwar 4.1 Prozent höher als im Vorjahr, aber noch immer massiv unter den 223 Millionen vom Rekordjahr 2019. Mit CHF 162'000 Franken fiel der Verlust aber viel geringer aus. Im Vorjahr 2020 betrug dieser noch fast CHF 10 Mio. Für die Aktionäre gibt es noch keine Dividende.

Die Luzerner Kantonalbank erzielte im 1. Quartal 2022 einen leicht geringeren Geschäftserfolg (minus 5.4 Prozent auf CHF 70.1 Mio.). Aber der Konzerngewinn war um 1,6 Prozent höher auf CHF 55,6 Mio.

Die grösseren Kursabschläge der Aktien der Zürich Versicherungen und von Sulzer widerspiegeln Dividendenabgänge.

Aussichten

Im ersten Quartal 2022 gab es mehrere Schocks, die an den Aktienmärkten zu einem Crash hätten führen können. Dazu gehören der unerwartete Krieg in der Ukraine sowie die sprunghafte Verteuerung der Rohstoffpreise, vor allem Erdöl und Gas sowie alle Energieformen.

Eine deutlich straffere Geldpolitik zeichnet sich ab, vor allem in den USA, und eine inverse Zinskurve (starke Zunahme der kurzfristigen Sätze) wird als Rezessionssignal gedeutet. Aber die Wirtschaft verhält sich momentan überdurchschnittlich robust, Unternehmensgewinne und Dividenden-Ausschüttungen steigen noch.

Ungewiss bleiben die längerfristigen Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland, welche auch den Westen treffen. Zahlreiche Unternehmungen haben ihre Aktivitäten in Russland heruntergefahren oder ganz gestoppt, das erhöht die Abschreibungen und Rückstellungen.

Es lohnt sich dennoch auf Qualitätsaktien zu fokussieren und bei Kursübertreibungen nach unten Zukäufe zu tätigen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24