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Innerthal
22.02.2022

Den Angeklagten trifft keine Mitschuld am tödlichen Unfall

Eingang zum Bezirksgericht March
Eingang zum Bezirksgericht March Bild: Franziska Kohler
Vor dem Bezirksgericht Lachen wurde ein tragisches Unglück verhandelt. Der Angeklagte soll einem angetrunkenen Kollegen das Auto zur Fahrt überlassen haben, vorauf dieser tödlich verunfallte.

Es war eine für den 25-jährigen Angeklagten emotional aufwühlende Verhandlung vor dem Bezirksgericht in Lachen. Bei einem schweren Autounfall im Wägital vor gut drei Jahren hatte er nicht nur einen guten Freund verloren und wurde selber schwer verletzt. Er musste sich zudem in diesem Zusammenhang wegen «Gehilfenschaft zum Fahren in fahrunfähigen Zustand» vor dem Einzelrichter verantworten.

Diesen Vorwurf der Staatsanwaltschaft bestreitet der Angeklagte und hat darum Einsprache gegen den Strafbefehl eingereicht. Dieser entschied vergangene Woche zugunsten des Angeklagten und sprach ihn frei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Aber von vorne.

Es begann mit einem Beizenabend

Gemäss Strafbefehl fanden die tragischen Ereignisse ihren Anfang in einer Wirtschaft im Wägital. Dort fand sich der Beschuldigte ab 22 Uhr mit einigen Kollegen aus seinem Bekanntenkreis ein und verbrachte einen gemütlichen und geselligen Abend.

Auf die Frage des Richters räumte der Beschuldigte ein, im Laufe des Abends zwei bis drei Flaschen Bier getrunken zu haben. Gegen 23.30 Uhr soll sich der Beschuldigte dann an den Tisch seines später verstorbenen Kollegen gesetzt haben.

An dem Tisch herrschte eine ausgelassene Stimmung, die vornehmlich vom später tödlich Verunglückten ausging. Es sei weiterhin Bier konsumiert worden. Gegen 00.45 Uhr verliessen alle Gäste das Lokal.

Schlüssel auf Fahrersitz geworfen

Der später Verstorbene soll zu diesem Zeitpunkt einem Kollegen, der angeboten hatte, ihn nach Hause zu fahren, gesagt haben, dass er mit dem Beschuldigten zu ihm nach Hause fahren werde. Weil er noch nie mit einem «Mitsubishi Evo» gefahren sei, wie ihn der Angeklagte damals besass.

Der Beschuldigte soll dann den Schlüssel auf den Fahrersitz geworfen und sich wegbegeben haben. Der später tödlich Verunglückte habe daraufhin das Auto aus der Parklücke manövriert und sei dann zum Beschuldigten hingefahren, woraufhin dieser einstieg.

Am Steuer mit 1,6 Promille

Später kam es zum tragischen Unfall. Der tödlich Verunglückte wies dabei eine Blutalkoholkonzentration von rund 1,6 Promille auf.

Ihren Vorwurf der Beihilfe begründet die Staatsanwaltschaft damit, dass der Beschuldigte hätte wissen müssen, dass sein Kollege betrunken und damit nicht fahrfähig war. 

Die Darstellung des Sachverhalts zieht der Verteidiger des Beschuldigten in Zweifel und forderte für seinen Mandanten einen Freispruch sowie eine Genugtuung von 2000 Franken.

«Wir haben nur eine Flasche Bier zusammen getrunken»

Zwar sei es korrekt, dass der Beschuldigte mit seinem besagten Kollegen am Tisch sass, doch nur für 20 bis 30 Minuten. «Wir haben nur eine Flasche Bier zusammen getrunken», hielt der Beschuldigte fest.

Er schilderte während der Verhandlung zudem, dass er und seine anderen Kollegen sich zuerst ins «Säli» begeben hatten, um zu jassen.

Der Tisch des späteren Todesopfers sei von da aus nicht einsehbar gewesen. Zudem sei der junge Mann stets eine fröhliche und aufgeschlossene Person gewesen.

Für den Angeklagten war es laut dem Verteidiger nicht ersichtlich, dass sein Kollege stark angetrunken war.

Auto war eine Art «Heiligtum»

Auch der Beschreibung des Sachverhalts auf dem Parkplatz widersprach der Verteidiger – unter Berufung auf Zeugenaussagen. Eine Abmachung zwischen dem Beschuldigten und seinem Kollegen, dass dieser ihn heimfahren soll, habe nicht bestanden.

Es sei zudem allgemein bekannt gewesen, dass der Angeklagte sein Auto nie jemandem zum Fahren überliess. «Es war so etwas wie sein Heiligtum», so der Verteidiger.

Der Beschuldigte warf zwar den Schlüssel auf den Fahrersitz und ging weg, um sich zu erleichtern. Es sei aber klar nicht als Aufforderung gemeint gewesen. Daraufhin habe sich der später Verstorbene ans Steuer gesetzt und den Motor gestartet. Dieser soll etwas wie «Mach das nicht» gesagt haben und sei dann doch eingestiegen. Der Beschuldigte selbst kann sich an die Vorgänge vor dem Unfall nur teilweise erinnern.

Kein Vorsatz

Der Verteidiger hielt fest, dass darum erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel an der Schilderung des Sachverhalts im Strafbefehl bestehen.

Zudem zog er in Zweifel, dass der Beschuldigte vorsätzlich Beihilfe zum Fahren in nicht fahrfähigem Zustand geleistet hätte. Denn er habe seinem Kollegen das Auto nicht willentlich in angetrunkenem Zustand überlassen.

Weil er nicht wusste, dass sein Kollege unter starkem Alkoholeinfluss stand und er ihm sein Auto eigentlich gar nicht zum Fahren geben wollte.

Franziska Kohler, Redaktion March24 & Höfe24