Kanton
22.05.2020

Unter Alkohol und Drogen aufeinander los

Das Kantonsgericht kehrt den Freispruch des Strafgerichts in einen Schuldspruch wegen ungetreuer Amtsführung um. (Bild: Archiv)
Die Staatsanwältin beantragte beim Strafgericht hohe Strafen für fünf Personen aus dem Raum Einsiedeln.

Drei Schweizer im damaligen Alter zwischen 19 und 32 Jahren, eine 23-jährige Schweizerin und ein 48-jähriger Iraker hatten 2018 keine gute Zeit. Sie waren ohne Arbeit, mittel- und perspektivlos, erhielten zum Teil Sozialhilfe oder IV-Gelder und konsumierten Medikamente, Drogen und Alkohol. Und wenn sie unter Drogen und Alkohol standen, gingen sie aufeinander los.

Anfang dieser Woche hatten sich die fünf Beschuldigten aus dem Raum Einsiedeln vor dem Strafgericht zu verantworten: Einfache Körperverletzung, Raufhandel, Sachbeschädigung, Drohung, Hausfriedensbruch, Diebstahl, Gewalt und Drohung gegen Behörde und Beamte sowie versuchte Verbreitung menschlicher Krankheiten waren nur einige der Delikte, die ihnen vorgeworfen wurden.

Schlafendem Kollegen die Füsse angezündet

Wie massiv die Art und Weise der Auseinandersetzungen waren, zeigen Beispiele. In einem Fall zündeten sie einem schlafenden Kollegen die Socken an den Füssen an, die sie zuvor mit Deodorant eingespraythatten. Das Opfer erlitt dadurch Verbrennungen ersten und zweiten Grades. Man habe den stark Berauschten damit wecken wollen, sagte der Beschuldigte, der das Feuer entfachte.

Zweimal kam es zu einem Raufhandel unter den männlichen Beschuldigten. Dabei gingen die Beteiligten nicht gerade zimperlich miteinander um. Es kam zu zwei Nasenbrüchen und weiteren Verletzungen sowie zu teils massiven Sachbeschädigungen. In beiden Fällen eskalierten die vorerst verbalen Auseinandersetzungen. In einem Fall soll der an Hepatitis C erkrankte Iraker einen Beteiligten absichtlich gebissen haben, um diesen mit der Krankheit anzustecken.

Verdiente Strafe absitzen

Die Verteidiger plädierten für Freisprüche oder für bedingte Strafen. Ihre Mandanten seien bei den Hauptvorwürfen nicht aktiv und zum Teil Opfer gewesen. Einzig der Verteidiger des 34-Jährigen sprach sich für eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten sowie einer Geldstrafe von 2'400 Franken und einer Busse von 3'500 Franken aus. Sein Mandant sei «Opfer seiner Sucht» gewesen. Der Beschuldigte selbst sagte den Richtern, er wolle seine verdiente Strafe absitzen und dann für seinen Sohn ein guter Vater sein.

Die übrigen Beschuldigten, die keinen Kontakt mehr untereinander haben und heute zum Teil wieder berufstätig sind, haben mit ihrem früheren Leben gebrochen. Der Iraker, der abstritt, absichtlich gebissen zu haben, sagte dem Gericht, von der Krankheit Hepatitis C damals schon geheilt gewesen zu sein. Eine Landesverweisung wäre für ihn schlimm, da er in seiner Heimat keine Verwandten habe.

Das Urteil des Schwyzer Strafgerichts soll frühestens nächste Woche mündlich eröffnet werden.

Ruggero Vercellone