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Sport
12.01.2022

«Die Bahn in St. Moritz ist Wellness pur»

Michael Vogt mit Teamkollege Sandro Michel am Bobweltcup in Altenberg im Dezember 21.
Michael Vogt mit Teamkollege Sandro Michel am Bobweltcup in Altenberg im Dezember 21. Bild: Keystone
Am Wochenende startet der Wangner Bobpilot Michael Vogt zum letzten Rennen vor den Olympischen Spielen. Es ist Zeit für eine Zwischenbilanz sowie einen Ausblick.

Kaum hat die Bobsaison im Weltcup begonnen, schon ist sie bald wieder vorbei. Am Wochenende findet in St.Moritz der Weltcup-Abschluss mit zwei Rennen statt. Der Wangner Bobpilot Michael Vogt ist direkt von Winterberg ins Engadin gereist.

Team Vogt-Michel am Bobweltcup in Igls, Österreich. Bild: Keystone

Eine gemütliche Bahn

«Es ist immer schön, wenn ich zu Hause in der Schweiz fahren kann», so Vogt. «Auf der anderen Seite muss man wissen, dass wir keinen eigentlichen Heimvorteil auf der Bahn haben, denn wir kommen nicht auf mehr Trainingsfahrten als unsere internationale Konkurrenz.»

Dies ist darin begründet, dass in Celerina die einzige Natureisbahn der Welt steht. Da können logischerweise im Sommer keine Trainingsfahrten gemacht werden, so wie dies in anderen Ländern auf Kunsteisbahnen möglich ist.

Vogt fährt gerne im Engadin. «St.Moritz ist schon eine eigene Liga. Im Vergleich zu anderen Eiskanälen ist die Bahn hier im Engadin Wellness pur», lacht der Märchler. Die Fahrt sei im direkten Vergleich zu Winterberg von oben nach unten «gemütlich » mit einem hohen Tempo zum Schluss.

Nur die Olympischen Spiele zählen

So kurz vor dem Ende der Weltcupsaison gilt es auch schon, eine erste Bilanz zu ziehen. «Im Grossen und Ganzen bin ich im Zweier- wie auch im Viererbob zufrieden.» Eine Bilanz, die, wenn man von aussen nur die nackten Resultate anschaut, eher ernüchternd ausfällt.

Vor allem im kleinen Schlitten, der tendenziell stärkeren Disziplin des 24-Jährigen. Er startete mit einem 7. Rang in Innsbruck, danach folgten in schöner mathematischer Reihenfolge ein 8., ein 9. und ein 10.Platz. In Sigulda kam Vogt nicht über den 13. Rang hinaus. Ein Abwärtstrend, der in Winterberg mit einem 9. Rang gestoppt wurde.

Zeit zum Ausprobieren

Michi Vogt zieht daraus eher positive Schlüsse: «Für uns war es sehr wichtig, dass wir bereits anfangs Saison in Innsbruck die Olympiaqualifikation schaffen. Das gab uns die nötige Zeit, vieles auszuprobieren. Einiges hat nicht geklappt.»

Auf diese Erfahrungen will Vogt im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Peking in wenigen Wochen zurückgreifen, denn in China wird es nicht viele Möglichkeiten geben, herumzupröbeln. Dann muss alles für den grossen Saisonhöhepunkt bereit sein.

«Die anderen Athleten haben in der Vorbereitung im Sommer keine Ferien gemacht und haben auch Vollgas gegeben, so wie wir», ist sich Vogt bewusst. Vor allem in Ländern, wo das Geld im Bobsport noch knapper als hier in der Schweiz ist, wird praktisch nur auf die Olympischen Spiele hin hart und seriös trainiert.

Ein neuer Schlitten

Mit der Bobbahn in China hat das Team Vogt bereits letzten Oktober erste Erfahrungen machen können. Mit der Erkenntnis, dass ein neuer Bob angeschafft werden musste. Einer, der auf dem chinesischen Eis schneller laufen soll.

Das hat natürlich während der Saison laufend zu Anpassungen und auch zu Problemen geführt. Zudem sind auch Verletzungen dazu gekommen. «In einer Olympia-Saison ist es ja klar, dass alle nochmals eine Schippe drauflegen, dass manchmal über die verträgliche Grenze gegangen wird», erklärt Vogt die vielen Blessuren, die auch die anderen Teams betreffen.

Team Vogt vor einem Jahr in St. Moritz. Bild: Keystone

So hat es auch Vogts Standardanschieber Sandro Michel in Winterberg erwischt. Erste Abklärungen haben ergeben, dass Michel einen Muskelfaserriss in der Wade erlitten hat. «Er wird in St. Moritz an diesem Wochenende sicher nicht am Start sein.» Vogt hofft, dass Michel in Peking wieder einsatzbereit ist.

Abschluss in St. Moritz

Das Heimrennen in St. Moritz wird das letzte Rennen vor dem grossen Ziel in Peking sein. Dieses will der Märchler Bobpilot noch einmal nutzen, um zusammen mit seinem Team den letzten Schliff anzubringen, einen weiteren Schritt in Richtung Konstanz zu machen.

Und vielleicht hat Vogt nach dem Rennen einen kurzen Moment Zeit, die herrliche Aussicht in den winterlichen Bergen zu geniessen und damit die nötige Kraft für das grosse Ziel; die Olympischen Spiele in Peking, zu tanken.

Franz Feldmann, Redaktion March24 & Höfe24