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Auto & Mobil
11.01.2022

Verbände machen gegen generelles Tempo 30 innerorts mobil

Die Verbände verlangen ein «differenziertes Geschwindigkeitsregime» – und dieses sieht nicht überall Tempo 30 vor.
Die Verbände verlangen ein «differenziertes Geschwindigkeitsregime» – und dieses sieht nicht überall Tempo 30 vor. Bild: Keystone
Mehrere Verbände machen gegen eine allgemeine Einführung von Tempo 30 innerorts mobil.

Laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) werden die Lärmemissionen bei einer Temporeduktion vom 50 auf 30 km/h um rund drei Dezibel reduziert. Eine Geschwindigkeitsreduktion innerorts senkt aber nicht nur den Lärmpegel, sondern gilt auch als sicherer für Verkehrsteilnehmende zu Fuss oder auf dem Velo. 

Viele Velofahrerinnen und -fahrer würden sich über Tempo 30 freuen. Bild: Keystone

Dass das Tempo innerorts aber generell auf 30 reduziert werden soll, damit sind nicht alle einverstanden. So machen diverse Verbände, darunter der TCS, der Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr, der Gewerbeverband und der Feuerwehrverband dagegen mobil. Sie warnen vor einem negativen Einfluss auf den Verkehrsfluss. 

Tempo 30 auf siedlungsorientierten Strassen, Tempo 50 auf verkehrsorientierten Strassen

Die vier Organisationen sprechen sich dabei nicht prinzipiell dagegen aus, dass im Siedlungsgebiet tiefere Tempolimiten gelten. Sie verlangen aber ein «differenziertes Geschwindigkeitsregime», wie sie am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bern erklärten.

Peter Goetschi, der Zentralpräsident des Touring Clubs Schweiz (TCS) an der heutigen Medienkonferenz zu Tempo 30 in Bern. Bild: Keystone

So soll Tempo 30 auf siedlungsorientierten Strassen in Wohnquartieren und Tempo 20 in Begegnungszonen durchaus möglich sein, aber auf verkehrsorientierten Strassen müsse weiterhin Tempo 50 gelten, sagte Peter Goetschi, der Zentralpräsident des Touring Clubs Schweiz (TCS).

Nur auf diese Weise könne die Funktionalität des Strassennetzes als Ganzes gewährleistet werden.

Die Befürchtung: Attraktivitätsverlust für Tram und Bus

Die Rettungsdienste – Polizei, Feuerwehren, Sanität – befürchten, dass bei einem generell geltenden Tempo 30 die Einsatzzeiten länger werden.

Der Gewerbeverband geht davon aus, dass sich die Anlieferungsmöglichkeiten für lokale Geschäfte verschlechtern würden.

Und der Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr geht von einem Attraktivitätsverlust für Tram und Bus aus.

Umfrage: Generell 30 findet keine Mehrheit

Das Volk habe sich im März 2001 klar mit 79,7 Prozent gegen die generelle Einführung von Tempo 30 innerorts ausgesprochen, erinnert der TCS in einer Mitteilung. Das ist gemäss einer Umfrage des Instituts Link, die der TCS in Auftrag gegeben hat, auch heute noch so.

Für das vom TCS propagierte «differenzierte Geschwindigkeitsregime» spricht sich gemäss Umfrage eine klare Mehrheit aus. 84 Prozent der Befragten bevorzugen das derzeitige System mit genereller Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Kilometern pro Stunde (km/h) innerorts, bei dem 30 km/h nur ausnahmsweise zur Anwendung kommt.

Die Alternative, diese Beschränkung nur nachts einzuführen, wie dies etwa Lausanne gemacht hat, findet ebenfalls keine Mehrheit. 55 Prozent der Bevölkerung lehnen gemäss Umfrage diese Idee ab, 38 Prozent unterstützen sie.

sda / Redaktion March24 & Höfe24