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Lifestyle
24.04.2020

Covid-19: Klares und Trübes vom Bundesrat

Drei Bundesräte in perfekten sozialer Distanz.
Die Schweiz soll in drei Schritten zum Normalbetrieb übergehen. Den Marschplan gaben drei Bundesräte bekannt. Linth24 mit wichtigen Erkenntnissen, Fragen, Antworten und Nicht-Antworten.

Nach fast zwei Stunden Online-Medienkonferenz bin ich in Teilen besser informiert, als mit der offiziellen Mitteilung und teilweise mehr verwirrt als aufgeklärt.

In elf Tagen, am 27. April, öffnen Coiffeur, Arzt- und Zahnarztpraxen, Therapeuten, Kosmetiksalons, Bau- und Gartenfachmärkte, Gärtnereien und Blumenläden. Warum diese Geschäfte? Weil sie dem Volk oder wegen der Saison wichtig seien. In Salons und Praxen werden Masken Pflicht. Bundesrat Alain Berset: «Bei Personenbezogenen Dienstleistungen wird es zu einer Maskenpflicht kommen. Das ist noch detailliert zu erarbeiten.»

Das Maskendilemma, wurde offensichtlich. Zuerst gab Berset zu: «Man hat das Thema unterschätzt», um dann zu trösten: «Für eine nächste Pandemie werden wir grössere Lager haben.» Aktuell sucht der Bundesrat weltweit und prüft – sehr spät – inländische Alternativen. Berset: «Wir müssen im Ausland kaufen, der Markt ist sehr angespannt» und zur Schweizer Industrie: «Wir brauchen einen Standard für Stoffmasken. Wir reden mit der Branche. Da gibt es innovative Ansätze.» Entschlossenes Handeln tönt anders.

Berset machte einen veritablen Masken-Eiertanz: «Wir empfehlen weiterhin keine Masken für Personen, die gesund sind», aber: «wir hindern niemanden daran, eine Maske zu tragen» und vielleicht würden Masken bei grösseren Menschenansammlungen einst obligatorisch.

Bundesrat Alain Berset: «Wir bleiben vorsichtig, aufmerksam und bescheiden.»

Am 11. Mai öffnen die Volksschulen. Daniel Koch vom BAG: «Eine gute Neuigkeit bei dieser Krankheit ist: Die Kinder sind tatsächlich nicht betroffen.» Alain Berset ergänzte: «Die Kinder werden nicht krank und sie infizieren sich auch nicht» und «sie sind keine Transporteure für die Krankheit». Darum könne man die Schulen wiedereröffnen, auch für die Kleinsten. Doch eine «Generationendurchmischung» bleibt unerwünscht. Enkel sollen nicht zu Oma und Opa, weil jene «vulnerabel» sind. Der Widerspruch zwischen nicht kranken, nicht infizierten Kindern und gefährdeten Grosseltern wurde nicht aufgelöst.

Am 11. Mai öffnen alle Läden. In Österreich sind nur Geschäfte zugänglich mit weniger als 400 Quadratmeter Fläche. Von einer solchen Grössenbeschränkung hält der Bundesrat nichts. Berset: «Wir müssen einen Weg für uns finden, ohne diese Abgrenzung». Nach dem jetzigen Stand werden alle Geschäfte offen sein, und doch gilt soviel «Home-Office» wie möglich, sagt Bundesrätin Sommaruga. Man wolle keine Personenansammlungen. Der forcierte öffentliche Verkehr sei für Schüler da.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga: «Bevor Läden öffnen, müssen sie ein überzeugendes Schutzkonzept für Mitarbeitende und Kunden vorlegen.»

Ob wirklich alle Geschäfte öffnen, was mit Museen, Zoos, Freizeitkursen, Jugendhäusern geschieht, ob Trainings von Jugendmannschaften parallel zum Schulbetrieb gestattet sind? All das sind Fragen, die der Bundesrat erst noch beantwortet, auch bezüglich des 8. Juni, wenn fast alles wieder normal sein soll. Der Frage-Katalog: Steigt das Gesundheitsrisiko, führt eine Massnahme zu grossen Menschenballungen, wie akzeptiert das die Bevölkerung, welche Wirkung haben sie auf die Wirtschaft, kann die Sicherheit eingehalten werden?

Fussballspiele und Open-Airs stehen in den Sternen. Berset: «Ich bin da nicht sehr optimistisch». Für die Restaurants gibt es kein Konzept. Der Badi-Besuch aber soll möglich sein. Daniel Koch vom BAG: «Da hat es soviel Chlor im Wasser, das tötet praktisch alles ab.»

Klare Ansagen gab es auch von Bildungsminister Guy Parmelin: «Ab heute planen wir unsere Zukunft neu». Bei den Lehrabschlüssen gibt es diesen Frühling und Sommer keine schulischen Prüfungen. Für alle Berufe und in allen Kantonen zählen die Erfahrungsnoten. Praktische Prüfungen werden je nach Berufsgruppe geregelt. Offen bleibt das Thema Maturitätsprüfungen. Darüber entscheidet die kantonalen Erziehungsdirektoren. Lanciert wird ein nationales Forschungsprogramm zum Thema Covid19 für 20 Mio Franken.

Bundesrat Guy Parmelin: «Die Wirtschaft soll so schnell wie möglich wieder in Gang kommen.»

Geld verteilte der Bundesrat heute auch an indirekt betroffene Freischaffende. Zum Beispiel für Grafiker ohne Werbeaufträge oder Putzfrauen ohne Reinigungsjobs in stillgelegten Firmen. Für sie gibt es rückwirkend ab 17. März maximal 196.- Franken pro Tag, respektive 5880.- Franken pro Monat.

Für den Bundesrat war das einer der letzten Notrechts-Beschlüsse. Schon bald geht das Parlament drüber; mit einer Sondersession im Mai und einem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren. Die Demokratie werde nicht ausgehebelt, so Simonetta Sommaruga: «Der Bundesrat will das Parlament einbeziehen, so wie das in unserem Land üblich ist.»

Bei der Krisenbewältigung segelt der Bundesrat in unbekanntem Gewässer. Alain Berset sagt es so: «Wir wollen so rasch wie möglich und so langsam wie nötig vorangehen». Doch Daniel Koch meint nüchtern: «Man kann bei dieser Epidemie keine verlässlichen Prognosen machen».

Der Umgang mit Corona sei wie der Tanz mit einem Drachen, schrieb letzthin ein US-Schauspieler. Dieser Tanz hat soeben begonnen und die Schweiz ist der Tanzsaal.

Redaktion March24/Höfe24