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Neue Stiftung soll Chancengleichheit wahren

Analyse von Urinproben in einem deutschen Labor. ITA-Experten haben auf der Basis von 25'000 Kontrollempfehlungen potenzielle Olympia-Starter von Tokio getestet. (Themenbild)
Analyse von Urinproben in einem deutschen Labor. ITA-Experten haben auf der Basis von 25'000 Kontrollempfehlungen potenzielle Olympia-Starter von Tokio getestet. (Themenbild) Bild: KEYSTONE/AP/MATTHIAS RIETSCHEL
Allgemeines – Die neue, 2018 gegründete Stiftung ITA ("International Testing Agency") hatte im Vorfeld der Olympischen Spiele die Federführung im Anti-Doping-Kampf. Ziel: Chancengleichheit trotz Corona-Pandemie.

Immer mehr internationale Sportverbände oder Grossveranstalter delegieren Antidoping-Programme an die Experten der ITA, um von Verbandsinteressen oder nationale Interessen unabhängig zu werden. Das Dienstleistungs-Unternehmen nimmt damit im globalen Kampf gegen den Missbrauch eine wichtige Rolle ein. So liess die ITA auf der Basis von 25'000 Kontroll-Empfehlungen im ersten Halbjahr 2021 potenzielle Olympia-Starter testen.

Gemäss eigenen Angaben seien die Empfehlungen für qualifizierte Athletinnen und Athleten zu 80 Prozent umgesetzt worden. Das Programm, das in Kooperation mit nationalen Anti-Doping-Organisationen und den Weltsport-Verbänden durchgeführt wurde, sei damit das umfangreichste Testprogramm, das jemals vor einer Ausgabe der Olympischen Spiele stattgefunden habe.

Die Anti-Doping-Agenturen halten viel von der neuen Instanz, deren Arbeit steht aber im Widerspruch zum Verdacht von einigen Dopingexperten, die vermuten, dass die Chancengleichheit in Tokio wegen der Corona-Pandemie und dem zwischenzeitlichen Stillstand im Sport nicht gewahrt sei.

Weniger weltweite Kontrollen

In der Tat weist die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) veröffentliche Statistik für den Frühling 2020 einen Einbruch der weltweiten Kontrollen aus. So wurden etwa im April des letzten Jahres nur 578 Tests durchgeführt. 2019 waren es 25'219 gewesen. Der Einbruch lässt sich im Wesentlichen mit den fehlenden Wettkampfkontrollen erklären.

Bei den unangemeldeten Tests habe man zumindest in der Schweiz auch während der Pandemie nur wenige Einschränkungen machen müssen. "Die Athleten mussten immer davon ausgehen, dass sie kontrolliert werden", betonte Ernst König, der Direktor von Antidoping Schweiz, im April.

Die Schlussfolgerung, dass sich ein Sportler, der sich wegen des Coronavirus in Isolation oder Quarantäne befinde, problemlos einer unangemeldeten Kontrolle entziehen können, stimme nicht. "Seit Ausbruch der Pandemie ordnete Antidoping Schweiz knapp 1200 unangemeldete Kontrollen an, bloss deren sechs wurden wegen des Coronavirus abgebrochen", so König damals auf Nachfrage von Keystone-SDA.

Abgebrochene Kontrolle gilt als Verstoss

Die Begründung, man habe etwas Kopfschmerzen oder Halsweh, reiche nicht, um den Kontrolleur abzuwimmeln. "Es wird überprüft, ob die Isolation oder Quarantäne von einem Arzt oder von einer Behörde verordnet wurde. Zudem gilt eine abgebrochene Kontrolle als potenzieller Dopingverstoss", fügte König an. Der Sportler wird also gezielter verfolgt werden.

Ob dies auch in anderen Ländern so gehandhabt wurde, bezweifelt zumindest Hajo Seppelt, der anerkannte Dopingexperte aus Deutschland. "Man weiss, dass eine Zeit lang so gut wie keine Kontrollen in manchen Ländern stattgefunden haben", sagte Seppelt gemäss der Nachrichtenagentur DPA im Sportradio Deutschland.

Seppelt folgerte deshalb, dass die Olympischen Spiele in Tokio nicht nur "Corona-Spiele", sondern "in einem gewissen Masse auch Doping-Spiele" werden. "Es ist ja sehr deutlich, dass es eine Anzahl an Rekorden gegeben hat, insbesondere in der Leichtathletik, die man mit Skepsis betrachten kann", so der Deutsche.

Von Einschränkungen der Pandemie erholt

Olivier Niggli, der Schweizer Generaldirektor der WADA, verbreitet weniger Skepsis und hält dagegen. Der Anti-Doping-Kampf habe sich längst von den Einschränkungen der Pandemie erholt, sagte er in einem Interview mit der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Er mache sich zudem keine grossen Sorgen, dass die weltweiten Lockdowns die Einnahme leistungssteigernder Mittel gefördert haben könnten - auch weil zu Beginn der Pandemie keine Trainings oder Wettkämpfe stattgefunden hätten. "Das war eine Zeit, in der Doping keine wirklichen Vorteile gebracht hätte. Es gab vielleicht einige, die sich davon etwas versprochen haben, aber wir sind nicht besonders besorgt", sagte Niggli.

Tests seien im übrigen nicht die einzige Waffe im Anti-Doping-Kampf, auch der Athletenpass oder die Aufbewahrung von Tests könnten Betrüger überführen, so Niggli. Auch die in Tokio entnommenen Proben werden bis zu zehn Jahre zur nachträglichen Analyse mit moderneren Methoden eingelagert.

Keystone-SDA